Heiligabend-Hausgottesdienst

Vielleicht wären Sie an Heiligabend gerne in die Kirche gegangen und hätten einen Gottesdienst mit vielen anderen Menschen gefeiert? Vielleicht fragen Sie sich: Kann das überhaupt ein richtiges Weihnachtsfest sein? Die Antwort ist „Ja“. Denn, auch wenn wir viele lieb gewonnene Traditionen haben, braucht es nicht viel, um Weihnachten zu werden. Es gibt keine Vorbedingungen, die erfüllt werden müssen. An der improvisierten Babywiege sehen wir: Gott macht es nicht kompliziert. Gott sucht sich seinen Platz.
 Für Gott wird es ein Fest, wenn wir ihm bei uns zu Hause und in unserem Leben Platz machen und ihn willkommen heißen. Dann jubelt der Himmel genauso wie bei den Hirten auf dem Feld.
 Wir machen Ihnen hier einen Vorschlag, wie Sie für sich oder mit Ihrer Familie oder anderen Gästen zusammen eine Zeit mit Gott feiern können – Gottesdienst zu Hause.

Vorbereitung

Was Sie brauchen

  • Das Friedenslicht aus Bethlehm oder eine andere Kerze

  • Musik und/oder Gesangbuch (Die Nummern hinter den Liedern beziehen sich auf das Evangelische Gesangbuch.)
  • Eine Bibel, wenn Sie die Texte herunterladen und nicht an dieser Stelle hier lesen.

Was ist vorab zu überlegen?

  • Wann feiern Sie? Ein guter Moment wäre vielleicht an Heiligabend vor der Bescherung oder an einem der Weihnachtsfeiertage zur Gottesdienstzeit, wenn Sie selbst nicht in die Kirche gehen können oder wollen.

  • Wer feiert mit? Tipp: Wenn Sie allein sind, können sie auch über das Telefon oder über Videotelefonie mit anderen zusammen feiern und die Texte abwechselnd lesen.
  • Wer liest welche Texte und Gebete?
  • Welche Lieder wollen Sie singen?

  • Wo feiern Sie? Am Christbaum, am Tisch, vor der Krippe?

Es wird Licht

Die Kerzen am Adventskranz oder Christbaum anzünden oder das Friedenslicht aus Bethlehem in die Mitte stellen.

Votum

Eine/r: Auf der ganzen Welt feiern Menschen Weihnachten, die Geburt von Jesus Christus.


Alle: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied oder Musik

„Ihr Kinderlein kommet“ (Nr. 43)

„Stern über Bethlehem“ (Nr. 540)

Gebet

Eine/r: Großer Gott und König der Welt, wir staunen über das Wunder von Weihnachten: Du großer Gott kommst zu uns Menschen auf die Erde.
 Als Licht der Welt kommst du in unsere Welt. Berühre uns mit deinem Licht. Schenk uns einen Lichtstrahl in dunklen Zeiten. Bringe Glanz in die verstaubten Ecken unseres Lebens.


Alle: Jesus Christus, zieh’ mit deinem Licht in unsere Herzen ein. Stärke unsere Hoffnung. Amen.


Die Weihnachtsgeschichte

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.


Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.


Lukas 2,1-20

In die Geschichte eintauchen

Wie würden Sie die folgenden Sätze ergänzen? Denken Sie für sich ein wenig darüber nach und tauschen Sie sich aus, wenn Sie mögen.


Die Worte sind mir besonders aufgefallen: …
Das verstehe ich nicht: …
Das berührt mich: …

Die Erzählung der Hirten

Wie immer…


Es ist schon dunkel. Wir sitzen wie jeden Abend im Kreis, Boas und Samuel halten bei den Schafen Wache. Die Müdigkeit breitet sich langsam aus, die Glieder werden schwer, der Kopf träge. Die Wege waren heute weit und die Schafe unruhig. Jetzt ist Zeit für eine Mahlzeit am Feuer. Wir machen unsere Sprüche und genießen, was wir haben: Brot und ein bisschen Käse und getrocknete Früchte. Feierabendlaune. Simeon beklagt sich über sein Knie. Ich erzähle die Szene, als der junge Hund beim Verfolgen des Schafes mit dem Bock aneinandergeriet. Natürlich behielt der Bock die Oberhand, der junge Hund weiß noch nichts von seiner Stärke. Wir lachen. Hier draußen sind wir eine verschworene Gemeinschaft. Meistens allein. Manche von uns haben Familie, manche nicht. Ich kaue meinen letzten Bissen Brot und schiebe mir noch die übrige Feige in den Mund. Ich mag das leichte Knacken der Feigenkörner und ihr mildes, süßliches Aroma. Langsam spüre ich die Kälte in meinen Gliedern; ich erhebe mich und rücke meine Schlafsachen etwas näher ans Feuer. Noch kurz zum Bach, Zähne putzen, dann schlafen. Morgen wieder von vorne.


Wie erstarrt…


Aber seltsam… irgendwie wollen sich die Schafe heute nicht beruhigen. Was haben sie bloß? Jetzt ein Windstoß – er löscht unsere Fackeln. Nur noch der Sternenhimmel über uns. Irgendetwas liegt in der Luft. Unsicher schauen wir uns um. 
„Was ist das?“, flüstert einer. „Ein Licht! Da ist ein Licht!“, schreit ein anderer. Ein Licht, das keiner von uns je gesehen hat. Unglaublich hell, durchdringend. Warm und feurig. Wunderschön. Und zugleich blendend und erschreckend. Ich krümme mich weg. Vage sehe ich, wie die anderen zu Boden gehen. Wir haben solch eine Wahnsinns-Angst. Zugleich starren wir wie gelähmt, die Hände vor den Augen in dieses Licht. Als sich unsere Augen an das Licht gewöhnt haben, zeichnet sich eine Person darin ab.

Wie elektrisiert…


„Fürchtet Euch nicht!“ sagt die Person. „Siehe ich verkündige Euch große Freude“. – „Ein Verkündiger, ein Bote, ein Engel!“ schießt es mir durch den Kopf. „Was will der hier? Freude?“ In meinem Kopf überschlägt sich, was ich von Engeln weiß. Mose, Bileam – ach, ich habe zu wenig aufgepasst! Ich denke an meine Familie, an „meine Engelchen“. Tränen treten mir in die Augen. Etwas löst sich in mir. Mir ist heiß und kalt. Heiliger Moment. Der Engel wartet auf uns und spricht weiter. Klar, bestimmt, in erhabener Würde und doch freundlich, als sei das gerade das Normalste von der Welt: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ Und dann sehen wir sie alle. Der ganze Himmel steht voll und ist lichterfüllt. Und dann hören wir sie alle. Nie habe ich so etwas gehört. Sie singen. Für uns. In Stimmen und Tönen, die ich nicht wiedergeben kann. Aber sie singen mit großer Leidenschaft, sie freuen sich selber. Ihre Musik geht durch den ganzen Körper, sie erfasst mich, sie trägt, sie berührt. In diesem Moment ist fast nichts von mir übrig. Ich bin ganz diese Musik und um mich ist nur der Himmel. Meine Seele wird leicht, mein Körper wie neugeboren. In diesem Augenblick rauscht der Gedanke durch mich: „Nichts und niemand kann mir jemals wieder Angst einjagen.“ Und wir hören ein Halleluja, ein großes Halleluja, nein, das größte Halleluja ever. „Lobt Gott“ und wir singen einfach mit, lauthals: „Halleluja“! Ich spüre eine unermessliche Dankbarkeit in mir aufsteigen für Gott, für diesen Abend, für das Kind, meine Familie, mein Leben.
 Und dann ist es vorbei. Die Schafe stehen ruhig, die Fackeln flackern wieder und wir sehen uns um. Boas lässt noch sein „Halleluja“ hören. Dann rennt er auf mich zu, packt mich und sagt: „Mann! Hau mir eine runter! Habe ich das geträumt oder war das echt?“ Ich kneife ihm in die Wangen, das wollte ich schon immer mal machen. „Alter, nicht so brutal!“ – „Immer wieder gern.“, lache ich. „Äh, dann los, oder?!“, sagt Andi, unser Jüngster. „Ja, los!“ sagt Boas.


Wie verzückt…

Wir überprüfen kurz die Gatter, reden den Hunden gut zu und gehen los. Die Stimmung ist ausgelassen. „Ausgerechnet zu uns sind die gekommen“, murmelt Simeon wiederholt vor sich hin. „Ausgerechnet!“ Boas überlegt: „Der Engel sprach von einem Stall. Samuel, Du warst doch heute in Bethlehem Brot kaufen. Hast Du einen gesehen?“ Samuel überlegt kurz und sagt: „Mir fiel ein Stall auf, der ein bisschen außerhalb lag. Vielleicht ist es der?“ „Führ uns hin!“, antwortet Boas entschlossen. Wir gehen durch die sternklare Nacht auf einen Hügel. Wir sehen die Lichter von Bethlehem. Still liegt alles vor uns. Ein bisschen vorgelagert erkennen wir einen Stall. Dort ist noch ein mattes Licht zu erkennen. Samuel deutet auf ihn. Wir sind aufgeregt wie kleine Kinder. Wir kommen näher und erzählen uns die alten Geschichten aus unserer heiligen Schrift. Zumindest die, an die wir uns erinnern können. Als wir in Hörweite kommen, werden wir leise. Und dann stehen wir vor der Tür. Wir schauen uns an. Wer traut sich? Andi geht hin – klopft. Ein Mann öffnet. Als er uns sieht, baut er sich auf und schaut uns drohend an. Er hat einen Stock in der Hand. Andi findet als erster seine Stimme: „Wir sind Hirten. Wir waren draußen wie immer. Und dann und dann und dann – war da ein Engel und dann viele Engel und sie sagten von einem Kind im Stall und wir kamen hierher“, beendete Simeon ruhig den Satz von Samuel. „Ich weiß, das klingt verrückt“, fügt Andi hinzu. Der Mann in der Tür entspannt sich. Er schmunzelt sogar. Den Stock lehnt er an die Wand und er bittet uns herein. Wir treten in den Stall. Im Licht der Öllampe sehen wir eine Frau; sie ist mitgenommen und hält mit müdem wie seligem Lächeln ein Kind in ihrem Arm. „Mein Name ist Josef von Nazareth, und das ist meine Frau Maria und unser Sohn“, stellt der Mann vor. „Und jetzt erzählt in aller Ruhe, was ihr erlebt habt.“ Wir schauen Simeon an, der hat einfach die größte Ruhe gerade. Und er erzählt… Maria hört sehr aufmerksam zu. Besonders als er die Botschaft des Engels wiederholt und feierlich sagt: „Euch ist der Retter geboren, der Messias, in der Stadt Davids.“ Und dann sagt er mit aller Freude und Rührung: „Jetzt sind wir hier und sehen dieses Kind. Diesen Jungen, auf den wir in unserem Volk so lange gewartet haben. Dürfen wir seinen Namen wissen?“ Maria blickt den Kleinen an und sagt: „Er heißt Jesus.“ Sie schaut auf, schaut zu mir und fragt: „Willst Du ihn halten?“


Nichts mehr wie immer…


Und ich nehme dieses kleine Kind auf meinen Arm. Friedlich liegt er da. Ich spüre seine Wärme. Ich trage ihn in meinen Händen und kann es nicht fassen: Er ist der Messias, der Retter. Nach dem überwältigenden Auftritt der Engel vorhin – jetzt so klein, so menschlich, so nüchtern. Wenn er erwachsen ist, werde ich ein alter Mann sein, wenn überhaupt. Aber er wird uns retten. Er ist auf unsere Seite gekommen! Er wird das Reich Gottes bringen und alles neu machen! Ich lege ihn zurück in die Arme seiner Mutter. Wir bedanken uns überschwänglich. Und dann ziehen wir durch die Stadt und erzählen, was wir erlebt haben. Wir können unsere Klappe nicht halten. Zum Teil werden wir ausgelacht, zum Teil treffen wir interessierte Zuhörer. Spät kehren wir heim. Erfüllt und getröstet. Heute ist alles anders. Seit heute ist alles anders: Gott ist mitten unter uns. Das habe ich gesehen.



(Erzählt von Pfarrer Christoph Schubert
)

Lied oder Musik

„Ich steh an deiner Krippen hier“ (Nr. 37)

„Stille Nacht, heilige Nacht“ (Nr. 46)
„O du fröhliche“ (Nr. 44)

Fürbittengebet

Eine/r: Jesus Christus, du bist gekommen, um Frieden zu bringen. Wir bitten dich um „Frieden auf Erden“ im Großen und Kleinen.
 Sei mit deinen Engeln bei allen, die heute allein sind. Sei bei denen, die Angst haben um ihr Leben, ihre Gesundheit oder ihre Zukunft – sprich zu ihnen dein „Fürchte dich nicht!“. 
In der Stille sagen wir dir, an wen wir heute besonders denken: …


(Ein Moment der Stille)

Vaterunser

Eine/r: Wir verbinden uns mit Christen auf der ganzen Welt durch das Gebet, das Jesus selbst uns gelehrt hat:


Alle:
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraftund die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Eine/r:
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.


Alle:
Amen.