Personen

Zum 75. Todestag von Dietrich Bonhoeffer

Hoffnung und Angst

Dietrich Bonhoeffer war ein Mensch mit Schwächen und Stärken, mit Hoffnung und Angst, mit Glauben und Zweifeln, und er hätte es selbst wohl von sich gewiesen, dass wir ihn heute auf einen Sockel heben und idealisieren. Denn jedes Podest schafft bekanntlich Entfernung statt Nähe. Am 9. April jährt sich zum 75. Mal der Tag, an dem Dietrich Bonhoeffer auf Hitlers persönliches Geheiß im KZ Flossenbürg hingerichtet wurde.

Mut zur Entscheidung

Bonhoeffer gehört zu den wirkmächtigsten Theologen des 20. Jahrhunderts. Der unbeirrbare Kämpfer für Menschlichkeit, der ursprünglich pazifistischen Tendenzen zuneigte, schloss sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten dem deutschen Widerstand an, rang sich zur politischen Konspiration gegen Hitler und der Vorbereitung eines Attentats durch. Wichtig war ihm, in Übereinstimmung von Glauben und Handeln zu leben. Er betonte die Verantwortung für seine Mitmenschen und stellte sich den Realitäten und Aufgaben seiner Zeit. Theologisches und ethisches Denken ist immer Denken in einer bestimmten Situation und kann und muss sich unter neuen politischen und gesellschaftlichen Umständen ändern. Mit seinem unbestechlichen Gefühl für Recht und Unrecht und seinem Mut zu Entscheidungen wurde er zu einem Hoffnungsträger, der seine aufrechte Haltung auch im Angesicht des Todes nicht verlor. Er war der festen Überzeugung, dass ‚Kirche nur Kirche ist, wenn sie für andere da ist!‘ Die Kirche dürfe sich nicht in ihre eigenen heiligen vier Wände zurückziehen. Sie müsse sich öffnen, zu den Menschen gehen, um zu wissen, was diese umtreibt. Bis heute inspiriert Bonhoeffer weltweit Protestbewegungen gegen Unterdrückung und Ungleichheit. Dieser große ‚unvollendete‘ Theologe will auch uns zum konsequenten Glauben und Handeln ermutigen, – gerade angesichts weltweiter Not und um sich greifender Gewalt, ungewisser Zukunft und Gefahren für die Demokratie.

Wahrheit aussprechen ohne Furcht

Der anglikanische Bischof George Bell, ein führender Ökumeniker der damaligen Zeit und enger Begleiter und Freund Bonhoeffers, charakterisierte ihn folgendermaßen: He was crystal clear in his convictions, and young as he was, and humble-minded as he was, he saw the truth, and spoke it with a complete absence of fear. Er war glasklar in seinen Überzeugungen; und so jung er war, und so demütig er blieb, er sah die Wahrheit und sprach sie aus ohne einen Anflug von Furcht. Dass er mit seiner ganzen Existenz für seine Überzeugung eingetreten war und wegen des Widerstands aus Glauben sein Leben verloren hatte, war der Grund für eine solche Würdigung.

Zukunft will verantwortet werden

Derzeit wird an einigen Orten eine Bonhoeffer-Ausstellung „Zukunft will verantwortet werden“ gezeigt. Das Motto der Ausstellung war ein ureigenes Anliegen Dietrich Bonhoeffers. „Es gibt Christen, die es für unfromm halten, auf eine bessere Zukunft zu hoffen. Die Frage ist jedoch, wie eine kommende Generation weiterleben soll“, so lautet eines seiner dargestellten Zitate.

Zukunft braucht Herkunft

Der Bonhoeffer-Biograph Ferdinand Schlingensiepen bringt das Anliegen der Ausstellung auf den Punkt: „Bonhoeffer gehört zu den Menschen, die uns gezeigt haben, wie unser Leben sein kann und sollte. Zukunft braucht Herkunft und das Erinnern daran.“ Bonhoeffer zu gedenken bedeutet, „nicht auszuweichen vor der Verantwortung“, jetzt und in Zukunft. In einer Vorlesung Bonhoeffers über das Wesen der Kirche aus dem Sommersemester 1932 habe Bonhoeffer damals gesagt:

Heute wird oft gefragt: Brauchen wir Gott noch? Brauchen wir die Kirche noch? Diese Frage ist falsch gestellt. Gott ist da und bleibt da, und die Kirche ist da und bleibt da, und diese Tatsache ist unaufhebbar. Wir sind nur gefragt, ob wir das anerkennen wollen oder nicht, und wir sind auch gefragt, ob wir uns von diesem Gott und seinem Sohn Jesus Christus gebrauchen lassen wollen.‘

Pfarrerin i.R. Margret Oberle

Foto: Von Bundesarchiv, Bild 146-1987-074-16 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de